Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute
sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Mittwoch, 20. August 2008

Immerhin, pünktlich ist er.

Gestern habe ich erfahren, dass ich über ihn schreiben muss, heute hat er schon Gedenktag.
Der Hl. Bernhard von Clairvaux. Der ganz schröckliche Dinge gesagt hat:
“Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus.”
Wieso er jetzt der Schutzheilige der Barkeeper ist, weiß ich aber nicht. Die sind doch sonst eher sparsam im Gebrauch schröcklichster Aussagen.

kshatriya

Kshatriya - die indische Kriegerkaste:

"Seine physische und geistige Stärke diente generell dem Schutz der Bevölkerung, insbesondere den Schutzbedürftigen wie Kinder, alte Menschen, Frauen, die Schutz suchen und Brahmanas.

In früheren Zeiten (Dvapara-Yuga) konnte ein König für ein Verbrechen, das in seinem Land verübt wurde, zur Verantwortung gezogen werden. Nur wenn er fähig war, die Bürger vollständig zu beschützen, war es ihm erlaubt, Steuern einzuziehen. Ein Kshatriya-König war nur von den weisen Ratschlägen der echten Brahmanas abhängig, die ihre Tätigkeit selbstlos im Interesse der Menschheit ausübten. Ihnen oblag auch ganz besonders der Schutz dieses natürlichen Gesellschaftssystems, ohne das die Menschen schwerlich friedlich nebeneinander Leben können, was schon seit ein paar Tausend Jahren zu beobachten ist.

Die Eigenschaften des Kshatriya werden auf folgende Weise beschrieben:

Heldenmut, Macht, Entschlossenheit, Geschicklichkeit, Mut in der Schlacht, Grosszügigkeit und Führungskunst sind die natürlichen Eigenschaften, die die Handlungsweise der Kshatriyas bestimmen. (Bhagavad-Gita 18.43)

Wenn die Monarchen verschiedener Länder Probleme miteinander hatten, war es ihre Pflicht, alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen Krieg zu verhindern. Kam es trotzdem zum Krieg, mussten sie sich an viele Ehrenkodexe halten. Z.B. mussten sie persönlich an der Schlacht teilnehmen. Es musste ein Ort zur Austragung der Schlacht vereinbart werden, abseits der Zivilisation (damit gewöhnliche Bürger nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden). Es durften nur gleichwertige Krieger mit gleichwertiger Bewaffnung gegeneinander kämpfen. So gab es viele Regeln allein für das Verhalten im Kampf. Die Schmach oder die Unehrenhaftigkeit, diesen Regeln nicht zu folgen, wurde von einem echten Kshatriya schlimmer empfunden, als 1000 Mal zu sterben. "

Quelle: Vishnupedia (auch das gibt es).

Ich liebe dieses Wort. Es ist das perfekte Wort um einen perfekten Krieger zu bezeichnen. Wie nennt man das, wenn die Form schon den Inhalt transportiert ...

Dienstag, 19. August 2008

...

dein haar lässt ebenholz verbleichen
honig und malve leuchten in deinem blick.

deine waffen sind geweiht
und gesegnet ist das marwaripferd das dich trägt.

du kämpfst in Andacht wie du opferst
und auf niemandes opfer schaut gütiger der HErr.

mit silber und koralle ehrst du die frauen
und zypressen pflanzt du für deine toten.

aber bernsteinworte hast du mir gegeben
die liegen auf meiner herzmitte in der Nacht,

du, kshatriya.

Termine und Orte

für die Feier der Chrysostomus, der Liturgie nach byzantinischem Ritus, in der Region Nürnberg-Würzburg-FRA.

Ach SU-PER ...

ich muss über Bernhard von Clairvaux schreiben.

Na prost.

Auch andere sinds leid.

Alipius macht sich Gedanken über

Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen.

Er behauptet, das mit offiziellem Torquemada-Gütesiegel zu tun, na, wollen wir ihm mal Glauben schenken.*gg*

Eine Schlagzeile

auf t-online ließ mich dann doch aufmerken, ob ihrer schieren Bizarrheit. Sie lautete:

Vietnam: Gary Glitter wieder frei.

Leider ist die Geschichte dahinter nicht mehr so schön bizarr, sondern einfach nur die eines alternden Ex-Rockstars, der zum Kinderschänder geworden ist.
Aber er will ja jetzt wieder Musik machen ...

An anderer Stelle

fordert man mich dazu auf "Substantieller" zu werden.
Wie käme ich denn dazu. Wenn ich jede dieser Internet-Jammergestalten ernst nehmen würde, die mir mit großer Ernsthaftigkeit ihr wichtiges, maßgebliches, einzig wahres (und immer erstaunlich geschlossenes) Weltbild darlegt, dann hätte ich viel zu tun.

...

Du würdest deine Winterlippen noch
mit Schwertgehängen zieren
Die Rüssel deiner Kriegselefanten
behängst du mit Morgensternen.
Keine Liebkosung
kennen die Lefzen deiner Kampfhunde.
Wie eine Zeder stehst du
gegen Mittag umglänzt
vor den geborstenen Toren gefallener Städte.
Über unserem Lager hängt ein Topasschild
das verzeichnet die Namen deiner Feinde.
Nicht ohne dich zu küssen
bin ich aufgestanden als du schliefst
und fügte meinen noch hinzu.

Montag, 18. August 2008

Kaddish.

Draußen herrscht immer noch

herrlichster Vollmond, es duftet nach Vendemmia und Rasul mieft ziemlich. Ob ich ihm ein Bad antun muss demnächst? Oder besser, mir das antun, ihm das anzutun?

Das wird heuer die zweite Vendemmia ohne Armando. Der Wein ist nicht besser geworden seither.

Bald beginnt wieder die Jagdsaison und die umtriebigen italienischen Tierschützer haben nichts Besseres zu tun, als Benedetto wegen seines Hermelinkäppis zu nerven. Wegen mir kann er zwanzig Hermelinkäppis übereinander tragen, solange nicht irgendwelche vollgesoffenen Deppen septembersonntags in der Früh unter meinem Schlafzimmer stehen und rumballern. Auf Singvögel. Wenn du kein umzäuntes Grundstück hast, dürfen sie sogar drüber latschen und schießen. Weshalb das Grundstück sorgfältigst mannshoch eingezäunt wurde. Zum 1. September hin kriege ich immer eine gräßliche Laune ...

Sonntag, 17. August 2008

Nicht ohne meinen Kangal.

Rasul ist durchaus imstande, und ich denke, das fordert auch seine körperliche Konstitution, von 9 Uhr früh bis mittags um 4 in der größten Hitze bewegungslos liegen zu bleiben. Wäre er so nervös wie ein Terrier, würde sich seine Lebenszeit wahrscheinlich gravierend verkürzen. Das ist auch typisch für die arbeitenden türkischen Kangals in den Herden. Sie können den Tag verdösen, aber es gibt Zeiten, in denen werden sie agil: Meistens in der Morgen- und Abenddämmerung, die Zeit der Räuber. Dann gilt es, das Gelände zu sichern, die Herde zusammenzuhalten, dann gibt es kein Innehalten und Ausruhen.
Auf der anderen Seite merkt selbst der dösigste herdenlose Kangal, ob jetzt der Postbote oder ein Freund oder ein nerviger Trickbetrüger am Tor steht. Für die Urlaubsvertretung unserer PostbotIN, einen Mann, steht Rasul nichtmal auf. Für die Postbotin selbst, die er gut kennt und die immer wieder Zeit hat, ihn durch das Gatter hindurch zu streicheln und ein paar freundliche Worte für ihn zu erübrigen, steht er natürlich auf und trabt vor, sparsam mit dem geringelten Schweif wedelnd. Ein Kangal verausgabt sich auch nicht durch enthusiastisches Wedeln.
Ein unglaublich freundlicher und sehr gelassener Hund. Denken die meisten. Bis dann jemand vor dem Tor steht, den ich als unerwünschten Besucher qualifiziere, und zwar zunächst nur in Gedanken.
Kangals scheinen es zu hassen, von negativen Gedanken ihrer Besitzer gestört zu werden. Was dieses Viech dann abreißen, wüten, toben kann ist kaum zu glauben. Noch beeindruckender natürlich ist es zu sehen, wie ein Siebzig-Kilo-Hund auf einen tatsächlichen Angriff reagiert. Von dem tobenden Hund ist nichts mehr zu sehen. Gründe der Energieersparnis. Mit absolut gelassener, traumwandlerisch ruhiger Sicherheit, ohne ein Bellen oder Knurren, ohne eine einzige überflüßige Bewegung, ohne sinnlose Drohgebärden und "Komm doch her wenn du dich traust"-Aufforderungen, in völliger Lautlosigkeit, erledigt er den Angreifer in ein zwei schnellen, effektiven Bewegungen. Es ist, als sähe man einem hervorragend ausgebildeten Soldaten einer Eliteeinheit zu. Nur, dass ihn gar niemand ausgebildet hat. Es ist ihm angeboren. Es ist sein gesunder Instinkt.
Und deshalb kriegen die Leute auch immer die größten Probleme, die meinen, sie müssten ihren Kangal auch noch "scharf" machen. Komplette Vollidioten mit sexuellen Defiziten, würde ich meinen, aber büßen muss der Hund. Einen "scharf gemachten" Kangal kann man nur noch einschläfern, diese Hunde sind schließlich im Normalmodus schon effektiv genug. Werden ihre Instinkte gebrochen, sind sie nicht nur für andere eine Gefahr, sondern auch für ihren Besitzer. Dann geht gar nichts mehr. Es ist eine Schande und schade um jeden einzelnen Hund den man derart verbogen hat. Wie oft werde ich angesprochen: Ach der und der hatte ja auch einen Kangal, die mussten ihn einschläfern lassen.
Es macht mich langsam aber sicher wütend, weil an und für sich gute und wertvolle Hunde so verheizt werden. Die Nachtkappen von Besitzern lassen einschläfern und legen sich dann einen Rottweiler zu.
Mit dem sie genausowenig umgehen können, aber da fällt es nicht so auf.
Und jetzt geh ich nach draußen und schmus mit meinem Hund.

Einen Videobeitrag

über die winzige katholische Mindheit Tibets findet sich bei pax et bonum.

...

Schweig, Prinz von Saba,
wenn die gläsernen Kothurnen deiner Konkubinen
auf meiner himmelblauen Sehnsucht klirren.
Erinnerst du deine Wehrgänge nur von fern?
Mit feinem Stichel bemalst du meine Nacht
aus ihren Ritzen lässt du Narde und Ambra quellen.
Wie hast du unsere Bettstatt mit Beute behängt
Bälger deiner heischenden Nachmittage.
Still, Prinz von Saba, halt ein!
Schwarzer Purpur spielt um deine Knöchel.

Samstag, 16. August 2008

Partielle Mondfinsternis.

Eben gehe ich raus vor die Türe, um was aus dem Auto zu holen, mein Blick richtet sich automatisch hoch zum Vollmond an einem sehr klaren Himmel und - es ist ein bräunlicher Schatten zu circa dreiviertel darüber, der nicht von einer Wolke herrühren kann. Eine partielle Finsternis.
Manchmal denke ich mir schon, dass die Menschen das Fernsehen und das Internet zu dem Zeitpunkt erfinden mussten, als die Dunstglocken über den Städten keinen Blick empor mehr erlaubten.

Nachtrag: Höhepunkt ist um 23.10 Uhr.
Die Luft ist hier so klar, dass der Schatten der Erde scharf konturiert ist - auf den Bildern im Internet sieht es mehr wolkig aus. Die Reststrahlung unter dem Schattenwurf ist sienabraun-leuchtend.

Scipio.

Hat sich gerade selbst übertroffen. Angespornt durch meine despektierlichen Bemerkungen über Waschbretter und Esslöffel hat er tatsächlich ein Musikvideo ausfindig gemacht, welches eine kühne Melange aus KLEZMER und BLUEGRASS darbietet. Es wird schwer werden, dies an Abseitigkeit zu übertreffen, lieber Freund!

Italienische Messe.

Heute bei den Kapuzinern.
Es gibt dabei einige Eigentümlichkeiten, die sich eben doch von einem deutschen Gottesdienst unterscheiden.
Nehmen wir zum Beispiel als Allererstes das Fehlen der Orgel. Das heißt, am Beginn wird nicht geschmettert, bei der Austeilung herrscht absolute Stille und am Schluss treibt einem nicht ein Wahnsinnssound aus dem Kirchengebäude hinaus, sondern es ist Gelegenheit, sich nochmals hinzuknien - was auch ausgenutzt wird. In dieser Ecke Italiens jedenfalls stürzen nicht alle sofort hinaus.
Die Singerei: Ich bin keine große Orgelfreundin (weil sie meistens nicht so gut gespielt wird, wie man sie spielen könnte und dann ersetzt Laut eben nicht Gut. Ansonsten siehe oben). In der italienischen Messe wird nur ganz wenig gesungen (außer dem Santo Santo Santo und dem Agnello di Dio vielleicht noch zwei Lieder). Auch das kommt mir entgegen.
Achja, die Kirche war schon vor der Messe voll besetzt - zum Rosenkranz bzw. der Lauretanischen Litanei heute, der hier oft samstags vor der Messe gebetet wird. Der Rosenkranz ist jedenfalls scheinbar beliebter als in meiner deutschen Gemeinde.
Aufgefallen ist mir noch das Schuldbekenntnis - das wird in Deutschland eher ausgelassen, meine ich, zugunsten dieses "Vergebung und Nachlass der Sünden" und als Credo nicht das Apostolische, sondern das Nizäische Glaubensbekenntnis.
Keine Messdiener, nur ein Priester, keine Aufläufe von Kommunionhelfern in merkwürdiger Kleidung im Altarraum. Wobei das mit den fehlenden Messdienern zum Beispiel sehr schade ist bei der Lesung des Evangeliums, da finde ich es angemessener, wenn zu beiden Seiten Messdiener mit brennenden Kerzen stehen.
Keine Kommunionhelfer.
Die Austeilung dauert dementsprechend, dafür kann es aber durchaus mal passieren, dass ein Handyklingelton dazwischenSENST.
Das Vaterunser wird gerne mit nach oben geöffneten Handflächen gebetet anstatt mit gefalteten Händen.
Zum Abschluss des Kreuzzeichens küssen sie sich die Fingerspitzen.
Das Verhältnis Handkommunion-Mundkommunion ist sich erstaunlicherweise fast gleich. Ich würde sagen fifty fifty. Dementsprechend souverän ist auch der Priester. Einige bekreuzigen sich auch direkt nach dem Kommunionsempfang, das habe ich in Deutschland auch noch nicht gesehen.
Gewöhnungsbedürftig dagegen ist dieses fürchterlich italienische Geschlurche. Bei den Antworten sprechen die einen schneller, die anderen seppeln hinterher, es geht kreuz und quer, es ist überhaupt keine Linie drin. Und die Rezitationen zur Wandlung werden von einigen einfach halblaut mitgesprochen - scheinbar haben sie es schon derart oft gehört, dass einfach ohne nachzudenken mitgesprochen wird. Helfen tut dabei das immer ausliegende "Programmblatt". Obwohl sie, wie ich vermute, also am Tag mindestens zwei Mal in die Messe gehen und deshalb alle Gebete derart auswändig kennen, dass sie halblaut mitgemurmelt werden, wird also dieses Blatt benötigt.
Heute bekam ich nur noch einen Platz in der ersten Reihe. Neben mir eine sehr alte, sehr derb-bäurisch aussehende und gekleidete und auch so riechende Dame.(Weihrauch hat nur Vorteile. Nur!)
Diese nahm mir einfach mein Programmblatt weg und ließ mich auch nicht mehr hineinschauen.
Da ich jetzt im (italienischen) Ablauf noch nicht so fit bin, hätte ich das Blatt wirklich dringender gebraucht als sie.
Aber ich trug also lächelnd mein Kreuz und spickte bei der Nachbarin zur Rechten hinein.
Beim Friedensgruß sagt man nicht umständlich "Friede sei mit Dir" (wobei das ja auch was hat), sondern einfach nur "Pace!".

So wohl ich mich in Italien fühle, eine richtige Lieblingskirche mit Lieblingspfarrer habe ich bisher noch nicht ausfindig machen können, muss ich ehrlich sagen.
Dafür aber merke ich, wie fest verwurzelt im Alltagsleben, wie selbstverständlich es hier ist, katholisch zu sein. Riten und Rituale, gepflegte Madonnenhäuschen und Wegkreuze haben ihren festen Platz, priesterlicher Segen wird oft und gerne eingeholt, mehrmals im Jahr an den hohen Feiertagen (zu Ostern zum Beispiel kommen sie ins Haus, um es zu segnen), aber auch zu weltlichen Anlässen wie Geschäftsneueröffnungen ist es ganz selbstverständlich, dass Laden und Familie gesegnet werden. An der Zahl der Frühmessenangebote hier auf dem Land sieht man, wie selbstverständlich es noch ist, dass vor der Arbeit die Messe besucht wird. Selbst atheistische Freunde, die hier eine zweite Heimat gefunden haben, geben gerne zu, dass der Reiz dieser Lebensweise, die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen, die Intaktheit dieser Gesellschaft durchaus mit der hier noch anzutreffenden tiefen Volksfrömmigkeit zusammenzuhängen scheint. Selbstverständlich mag dies in anderen Regionen Italiens wieder anders aussehen. Interessant ist auf jeden Fall, dass dieser Umstand auch von Nichtkatholiken und Nichtgläubigen als wohltuend empfunden wird.

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